Sprockhöveler Salon 2002



Bild: Jaroslava Vondráckova (1894-1986), avantgardistische Stoffdesignerin, Freundin Milena Jesenskás, 1915 in Prag
"Wer nicht in der Welt wie in einem Tempel herumgeht, der wird in ihr keinen finden"   
- Rahel Varnhagen von Ense geb. Levin geb. 1771, gest. 1833


Sprockhöveler Salon - Frauen lesen von Frauen für Frauen.
Was kann uns da näher sein, als an die Arbeit von Rahel Varnhagen, einer der berühmtetesten Salonieren, einer Meisterin der Geselligkeit, anzuknüpfen. Mit Witz, rücksichtsvoller Zärtlichkeit und strenger Zuwendung brachte sie Gespräche in Gang. Ihre Begabung für Freundschaften und ihr tiefgründiges Interesse am Mitmenschen als dem Anderen verhalf vor mehr als zweihundert Jahren einem der Berliner Salons zu seinem Höhepunkt. Fürsten und Philosophen, Lebedamen und Bürgerstöchter, Deutsche und Ausländer, Christen und Juden trafen sich zwanglos, stritten und debattierten. Es waren Orte des kritischen Denkens und Nachfragens in einer Zeit, in der der alte Judenhaß abgetan und der neue Antisemitismus noch nicht geboren war. Jüdische Menschen kämpften, wie heute die MigrantInnen, um Anerkennung ihrer bürgerlichen Rechte und Toleranz. Die Vorstellung von gegenseitiger und wechselnder Anerkennung prägte den Umgang und Dialog miteinander. Hierin lagen die Wurzeln für persönliche Kreativität, gesellschaftliche Entwicklung und eine besondere Art der Begegnungen.
In Zeiten des Umbruchs wollen auch wir die Unterschiedlichkeit von Frauen wahrnehmen und wertschätzen, ohne jedoch die Gemeinsamkeiten aus dem Blick zu verlieren. Es ist uns wichtig, der Schnelllebigkeit des Alltags und unserer eigenen Hetze etwas entgegenzusetzen. Innehalten, mit Aufmerksamkeit und Muße zuhören. Das Gehörte überprüfen und falls möglich neu gewonnene Erkenntnisse im Alltag umzusetzen - dazu möchten wir ermutigen und anregen.
Die Tradition von Rahel Varnhagen würden wir gerne unter Berücksichtigung der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen fortsetzen und eine "
weibliche Genealogie der Geselligkeit" weiterentwickeln.
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Was ist ein Salon?

Salons waren ein faszinierendes Phänomen der europäischen Kultur. Über mehrere Epochen mit verschiedenen Blütezeiten trafen sich Bürgerstöchter, Adelige, DichterInnen, Lebedamen und PhilosophInnen.
Im Mittelpunkt der meist zweckfreien und zwanglosen Zusammenkunft stand eine Frau - eine Saloniere. Die "Damen" waren originell und das Ausmaß ihres Einflusses ist für uns heute unvorstellbar.
Die "Gäste" aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten - teils jüdischer und christlicher Religion - kamen, stritten, kritisierten, klatschten, lasen vor und diskutierten. Mal ernsthaft oder leicht, mal spöttisch oder gebildet. Mit Tiefsinn oder Witz, immer aufgeschlossen und tolerant.

Wer reden konnte, vertrat seine Meinung.

In diesem Sinne möchten wir uns gerne mit euch treffen! Wir wollen uns während unserer Treffen politische und literarische Texte und Briefe vorlesen, über Frauen in Politik, Philosophie, Kunst und Kultur nachdenken und über Politikkonzepte diskutieren. Dabei ist uns die Verbindung zu unserem Alltag und zu Alltäglichem wichtig.

Alle Frauen, die Lust haben zuzuhören, zu diskutieren oder vorzulesen sind herzlich eingeladen!

Der "Sprockhöveler Salon" beginnt immer um 19.00 Uhr im Buchverkauf des IG Metall-Bildungszentrums!

IG Metall
Bildungszentrum Sprockhövel
Otto-Brenner-Straße 100
45549 Sprockhövel

Logo der IG-Metall

Infos in der Bibliothek P 02324 / 706-372-369
e-mail: Info zum Sprockhöveler Salon

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